Aus dem Grundsatzprogramm des Vereins für Diakonie- und Sozialgeschichte

Der Hauptschwerpunkt der Vereinsarbeit ist die Geschichte der Inneren Mission und der Diakonie in ihren vielfältigen Ausprägungen vom 19. bis ins 21. Jahrhundert. […]

Ein besonderes Interesse gilt den älteren Wurzeln moderner Diakonie, wie sie etwa im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stiftungswesen und in Einflüssen von Alt-Pietismus, Aufklärung und Erweckungsbewegung auf diakonisches Handeln zu beobachten sind.

Mit dem Hauptschwerpunkt unmittelbar verbunden ist das Feld diakonischer, kirchlicher und kirchennaher Berufe. Eine besondere Rolle spielen hier die religiösen Personalgenossenschaften (Diakonissen- und Diakonenanstalten, Orden), die auf diakonischem und karitativem Feld weithin Pionierarbeit geleistet haben. […]

Von zentraler Bedeutung für die Anstaltsgeschichte wie neuer sozialer Berufsfelder sind Ausbildungsinstitutionen und Bildungseinrichtungen, Weiterbildungsveranstaltungen und pädagogische Initiativen […]. Im engen Zusammenhang mit der Professionalisierung von Berufen vollziehen sich auf diesem Feld grundlegende Akademisierungs- und Verwissenschaftlichungsprozesse.

Im Rahmen der sozialen Hilfsarbeit kam insbesondere Frauen eine große Bedeutung zu. […] Das Untersuchungsfeld bietet interessante Perspektiven für das Verhältnis von Beruf und Geschlecht ebenso wie für geschlechter- und theologiegeschichtlich aufschlussreiche diskursive Praktiken im Spannungsfeld von Kirche und Gesellschaft.

Die Geschichte der Diakonie war, zumindest in ihren Anfängen ganz wesentlich vom Gedanken der Mission geprägt. […] Der Missionsgedanke, über die eigene Kultur und Gesellschaft hinaus, ist darüber hinaus für weite Strecken des diakonischen Handelns prägend geblieben, etwa durch die Einrichtung von Missionsgesellschaften, so dass das Institut für Diakonie- und Sozialgeschichte auch hier, zumal in interkultureller Perspektive, ein Aufgabenfeld hat.

Zur Inneren Mission im 19. Jahrhundert gehörten die Pressearbeit und die Etablierung einer konfessionellen Publizistik. […]

Das System der Anstaltsfinanzierung wie auch der sozialen Absicherung von Mitarbeitern  ist ein weiteres wichtiges Untersuchungsfeld. […]

Die Geschichte der Diakonie geht nicht in übergreifenden Strukturprozessen auf. Hinzu kommt immer auch das außerordentliche, bestimmte Entwicklungsphasen deutlich prägende Engagement herausragender Persönlichkeiten. Die Aufgabe des Instituts besteht daher nicht zuletzt darin, das Feld der kirchlichen und kirchennahen Sozialarbeit durch biographische Studien – am Beispiel von Anstaltsleitern, Ärzten, Diakonen, Theologen, Verwaltungsbeamten, Lehrern etc. – zu erhellen.

Das Institut für Diakonie- und Sozialgeschichte zählt zu seinen wesentlichen Aufgaben ferner, die Gemeinde- und Kirchenkreisgeschichte sowohl unter sozialgeschichtlichen und diakonischen als auch unter kirchenhistorischen und theologischen Perspektiven aufzuarbeiten. […]

Sind die bisher genannten Aufgabenfelder vor allem durch einen enger fokussierenden Rahmen – bezogen auf Institutionen, organisatorische Strukturen, Berufe, Personen – gekennzeichnet, ist das Institut langfristig auch an der Etablierung thematisch übergreifender Forschungsprojekte interessiert. Solche Forschungsprojekte […] könnten sich etwa richten auf grundlegende Fragen wie eine Geschichte des Alters, eine Geschichte der Krankheit, eine Geschichte der religiösen Sozialisation etc.

Die Arbeit des Vereins berücksichtigt europäische Problemlagen und Perspektiven, sie ist insbesondere an vergleichenden Studien zur Geschichte der tätigen Nächstenliebe in den Konfessionen und Territorien des Kontinents interessiert.

Darüber hinaus gehört auch die tätige Nächstenliebe in nichtchristlichen Religionen und außerhalb Europas zu den Forschungsgegenständen.

Das komplette Grundsatzprogramm stellen wir Ihnen gerne als pdf-Datei zur Verfügung. Nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

Ein Türke als barmherziger Samariter